Reiseberichte, Tipps & Fotos: Japan, Seychellen, China, Burma, Antarktis

Einführung

 

Wir besuchten Japan im März 2006. Wir wussten zwar, dass wir mit dieser Datumswahl die berühmten Kirschblüten wohl noch nicht sehen würden, wollten aber auf der anderen Seite verhindern, während der Zeit der grössten Touristenströme nach Japan zu reisen. Das Frühjahr ist die beste Zeit für eine Japanreise, und wenn man nicht den Anspruch hat, die Kirschblüten in voller Pracht zu sehen, können wir den März als Reisezeit sehr empfehlen. Wir wählten die zweite Märzhälfte und sahen gegen Ende März in Kyoto doch den einen oder anderen bereits blühenden Baum. 

Tokio

 

Stadtbild

Geschmäcker sind verschieden, aber wir haben schon schönere Städte als Tokio gesehen. Aufgrund des grossen Erdbebens von 1923 und der Luftangriffe im zweiten Weltkrieg gibt es kaum historische Gebäude. Der Baustil ist unspektakulär und eher geschmacklos, kein Gebäude passt zum anderen, alles wirkt wild zusammengewürfelt. Der Tokyo Tower ist mit 333 Metern das höchste Gebäude Tokios, entsprechend wirkt die Skyline im Vergleich zu Städten wie Shanghai oder New York eher unspektakulär. Inzwischen wurde nun aber der Bau des "New Tokyo Tower" definitiv beschlossen. Er soll bis 2010 in Sumida gebaut und 600 Meter hoch werden.

Interessant an Tokio ist, dass seine verschiedenen Viertel eine Art eigene Städte bilden, welche sehr unterschiedlich sind. Zuweilen hat man gar nicht mehr das Gefühl, sich in einer Megametropole zu befinden. Ausnahmen sind die Stadviertel Ginza, Shinjuku und das neue Einkaufs-und Vergnügungsviertel Shiodome. Der Eindruck, sich nach einer U-Bahnfahrt in einer anderen Stadt zu befinden, begründet sich sicher auch in den riesigen Distanzen zwischen den einzelnen Vierteln.

Einwohner

Wir haben die Einwohner Tokios als zwar freundlich, aber zurückhaltend erlebt. In der U-Bahn beispielsweise spielt jeder zweite mit seinem Handy oder versetzt sich mit einem MP3-Player in eine andere, eigene, persönliche Welt. Vielleicht hält man es auf Dauer auch nur so in einer derart grossen Stadt mit ihrer Anonymität aus. In Geschäften, Restaurants und Hotels wurden wir immer sehr herzlich und zuvorkommend bedient. Man hat hier wirklich das Gefühl, geschätzt und geachtet zu werden, und sei es auch nur, wenn man in einem Laden ein Getränk kauft.

Shinjuku

Shinjuku ist das Quartier der Hochhäuser, unter anderem befindet sich hier das Rathaus, und bietet viele Vergnügungsmöglichkeiten bis hin zum Rotlichtviertel (in welches sich auch Westler verirren). Der Bahnhof Shinjuku ist der verkehrsreichste der Welt, und zu den Stosszeiten werden die Menschen von "Stopfern" in die U-Bahn-Wagen gestopft, was wir allerdings nie erleben "durften". Die labyrinthartige Bauweise dieses Bahnhofes brachte uns allerdings mehrmals fast zum Verzweifeln. Man verliert hier schnell die Orientierung, hat dafür aber hervorragende U-Bahn- und Zugverbindungen, um Tokio zu erkunden.

Asakusa

In Asakusa befindet sich der Sensoji-Tempel. Man geht zuerst durch das Kaminarimon-Tor mit einem eindrücklichen, grossen Lampion. Danach folgt die Nakamise, eine 100 m lange Strasse, an welcher sich zahlreiche Souvenirshops aneinanderreihen. Den Tempel fanden wir nicht besonders sehenswert (es gibt schönere), das Quartier ist allerdings dennoch interessant. Besonders die Läden für Restaurantbedarf an der Kappabashi-Strasse sind für Touristen einen Besuch wert. Hier kann man verblüffend echt wirkende Atrappen von allerlei Speisen bestaunen. Billig sind sie allerdings nicht; richtig Essen gehen ist günstiger!

Ueno

Den Ueno-Park, besonders beliebt zur Zeit der Kirschblüte, haben wir wegen des unfreundlichen Wetters nicht besucht. Die Ladenpassage Ameyoko wird zwar oft in Reiseführern erwähnt, fanden wir aber nicht so spektakulär.

Akihabara

Akihabara ist das Mekka für Elektronikfreaks. Hier findet man die neusten technischen Spielereien, welche allerdings je nach Yen-Kurs nicht unbedingt preiswerter sind als bei uns. Die Auswahl an MP3-Playern, Digitalkameras usw. ist riesig. Achtung bei Handys: Japanische Modelle funktionieren nicht auf den europäischen Netzen! Will man ein Handy kaufen, sollte man unbedingt nach international einsetzbaren Modellen fragen (beschränkte Auswahl).

Ginza

Ginza ist das Stadviertel der teuren, schicken Kaufhäuser. Hat man keine Lust, viel Geld auszugeben, kann man darauf verzichten. Ebenfalls in Ginza befindet sich der Fischmarkt. Da wir es nicht schafften, in aller Herrgottsfrühe aufzustehen, ist uns dieses oft empfohlene Erlebnis entgangen.

Marunouchi

Die Brücke Nijubashi beim Haupteingang des Kaiserpalastes ist zwar ein bekanntes Fotomotiv, vom Palast sieht man allerdings nicht wirklich viel. Ein Spaziergang bis zum Ostgarten (Eintritt gratis) lohnt sich vor allem bei schönem Wetter. Achtung, am Wochenende sind hier sehr viele Jogger unterwegs.

Waterfront (Odaiba)

Diese künstlich angelegte Insel erreicht man am besten mit der Yurikamome-Linie, wobei man auf der Fahrt über die Rainbow Bridge die Aussicht auf die Skyline von Tokio geniessen kann. Sehenswert ist der künstliche Sandstrand, wo vor allem am Wochenende viele Spaziergänger flanieren, viele davon mit Hunden. Kleine Hündchen tragen oft ein modisches Outfit und müssen sich kaum selber anstrengen; sie werden wie Kleinkinder in Wägelchen herumkutschiert. Ebenfalls eindrücklich ist das Fuji-TV Gebäude mit seiner futuristischen Architektur, wo sich auch eine Aussichtsplattform befindet. Weiter findet man auf Odaiba diverse Shoppingcenter, unter anderem das Venus Fort, ein gänzlich auf die weibliche Kundschaft ausgerichtetes Einkaufsparadies im Las-Vegas-Stil. Das Pendant für die Herren heisst Megaweb, ein Showroom der Superlative, wo auf Hochglanz polierte Autos der Marken Toyota und Lexus präsentiert werden. Für Unterhaltung sorgen diverse Spielhallen für kleine und grosse Kinder; hier kann man unter anderem mit einem virtuellen Hund Gassi gehen oder gegeneinander zu einem Autorennen antreten. Wenn das Wetter mitspielt, lohnt sich bestimmt eine Fahrt mit dem Riesenrad, welches seinem Namen absolut gerecht wird. Die Aussicht soll spektakulär sein. Wir können das weder dementieren noch bestätigen: als wir dort waren, hats in Strömen geregnet...

Shibuya

Die Menschenmassen abends in Shibuya sind gewaltig. Hier scheint sich ganz Tokio zu versammeln. Es locken unzählige Restaurants, Karaokebars, Nachtclubs und Geschäfte. Eindrücklich sind die vielen Neonreklamen beim Bahnhof, die an den Picadilly Circus erinnern. Langweilig wirds hier nie.

Harajuku

Der Meiji Jingu-Schrein ist idyllisch in einem Park gelegen und für die meisten Touristen ein Muss. Wer einen Wunsch hat, kann ihn auf ein Holztäfelchen schreiben und beim Schrein deponieren. Stark vertreten sind Studentinnen und Studenten mit Wünschen nach guten Prüfungsergebnissen, doch auch WestlerInnen verewigen sich hier, beispielsweise mit der Bitte, doch endlich schwanger zu werden. Unweit davon, beim Bahnhof Harajuku, versammeln sich jeden Sonntag ausgeflippte Teenager, welche ihre extravaganten Outfits (Streetparade lässt grüssen) präsentieren und sich gerne fotografieren lassen. Ihre schrillen Klamotten kaufen sie an der Takeshita-Dori ein, eine Ladenstrasse mit vielen unkonventionellen Geschäften. Nicht nur die Teens werden dort fündig, sondern auch Hundebesitzer, welche für ihre Lieblinge ein schickes Kleidchen im Mickey- oder Hasenlook erstehen möchten (siehe Bildergalerie). Die Omotesando wird oft als Champs-Elysées von Tokio bezeichnet. Hier wimmelt es am Sonntag von Leuten, und auch Touristen verpflegen sich gerne in den unzähligen Cafés und Restaurants.

Shiodome

Hier befindet sich der 333 Meter hohe Tokyo Tower, welcher über 2 Aussichtsplattformen verfügt und dem Eiffelturm nachempfunden ist. Da es bei unserem Besuch stark windete, war nur die untere Plattform zugänglich (immerhin 150 Meter hoch). Die Aussicht war spektakulär, es empfiehlt sich, bei Sonnenuntergang oben zu sein. Mit ein wenig Glück sieht man sogar den Mt. Fuji in der Ferne. Wegen des starken Windes schwankte der ganze Turm spürbar, und wenn man bedenkt, dass dieser 1958 erbaut wurde und Tokyo stark erdbebengefährdet ist, war einem schon ein bisschen mulmig zumute.

Nikko

 

Nikko ist von Tokyo aus gut mit einem Tagesausflug von JTB Sunrise Tours (siehe "Links") zu erreichen. Die Fahrt dauert allerdings ziemlich lange, und man muss sich überlegen, ob einem der Besuch des Toshogu-Schreins die lange Anreise wert ist. Berühmt ist der prächtige Schrein vorallem für seine drei Affen, welche nichts Böses hören, sehen und sagen. Wer sich diese allerdings als Statue vorstellt, liegt falsch. Es handelt sich um eine eher unscheinbare Schnitzerei, welche ein Tempelgebäude verziert. Die ganze Anlage ist dennoch eindrücklich.

Mt. Fuji & Region Hakone

 

Mt. Fuji

Um den Mt. Fuji zu sehen, wählten wir einen 2-Tagesausflug von JTB Sunrise Tours, welcher den Mt. Fuji und die Gegend von Hakone verbindet. Wir hatten das Glück, einen herrlich schrägen Tourguide erwischt zu haben, der die Tour mit einem grossen komödiantischen Talent zu einem wahren Vergnügen machte. Sein Humor war allerdings ziemlich sarkastisch. Beispielsweise rechnete er uns vor, wie schnell es bei einem Ausbruch des Mt. Fuji ginge, bis die Lava das Restaurant, in welchem wir über Mittag Pause machten, erreichen würde. Solche und weitere von seinem schwarzen Humor geprägten Bemerkungen quitierte er jeweils mit einem grinsenden "I'm so sorry!". Seine pessimistischen Prognosen sind glücklicherweise allesamt nicht eingetreten, im Gegenteil, wir hatten sogar besonderes Glück mit dem Wetter und konnten tolle Fotos vom fast wolkenfreien Mt. Fuji schiessen. Von der vierten Station des Mt. Fuji aus hatten wir auch einen fantastischen Ausblick auf die südjapanischen Alpen.

Region Hakone

Am Nachmittag stand eine Schifffahrt auf dem malerischen Lake Ashi auf dem Programm. Anschliessend fuhren wir mit einer Seilbahn auf den Mt. Komagatake, von wo aus wir wiederum einen herrlichen Ausblick auf den Mt. Fuji, den See und die Region Hakone hatten.

Gegen Abend brachte uns der Bus zum Hotel Kowaki-en. Um uns von der Tour zu entspannen, gingen wir ins Mori NO YU, ein japanisches Thermalbad. Es liegt wenige Schritte vom Hotel entfernt und ist eine wunderschöne Anlage mit verschiedenen heissen Bädern. Männchen und Weibchen baden übrigens getrennt.

Am nächsten Morgen wollten wir noch eine weitere Badeanlage testen, welche allerdings eher weniger traditionell, sondern eher als Spassbad ausgerichtet ist: Yunessun. Hier kann man unter anderem in mit Kaffee, Grüntee, Rotwein oder Sake (!) aromatisierten heissen Bädern plantschen. Es lohnt sich, morgens gleich bei Eröffnung dort zu sein, um die Becken nicht mit 500 Japanern teilen zu müssen.

Danach zogen wir mit dem "Hakone Free Pass" auf eigene Faust los, um die Region zu erkunden. Mit dieser Tageskarte hat man die Möglichkeit, Bergbahn, Gondelbahn, Schiff und Bus in der Region Hakone frei zu benutzen. Unter anderem fuhren wir mit der Seilbahn über die Owakudani-Schlucht und besichtigten die brodelnden Schwefelquellen. Die Szenerie dort ist sehenswert, man darf allerdings nicht allzu geruchsempfindlich sein; Schwefel riecht bekanntlich nach faulen Eiern. A propos Eier: Die Quellen sind so heiss, dass im Wasser problemlos Eier gekocht werden können, was die Japaner auch tun.

Am Abend fuhren wir von der Odawara Station aus mit dem Shinkansen zurück nach Tokyo.

Kamakura

 

Kamakura ist von Tokio aus relativ einfach mit dem Zug erreichbar und lässt sich gut auf eigene Faust in einem Tag erkunden. Kamakura ist ein schmuckes Städtchen, sehenswert sind der grosse Buddha und der Hase-Kannon Tempel. Es gibt aber diverse weitere schöne Tempel zu besichtigen. Am besten erkundet man das Städtchen zu Fuss.

Kyoto

 

An unserem ersten Nachmittag in Kyoto besuchten wir Gion, ein historisches Quartier, in welchem man sich um Jahrzehnte zurückversetzt fühlt. Spätestens als uns zwei Geishas über den Weg liefen, fühlten wir uns wie im alten Japan. Man sollte sich unbedingt Zeit nehmen, durch die engen Gässchen mit den Holzhäusern zu flanieren.

Am nächsten Tag unternahmen wir eine geführte Tagestour, was praktisch ist, denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es ziemlich umständlich, die einzelnen Sehenswürdigkeiten in so kurzer Zeit zu besichtigen. Es gibt zwar ein gutes Busnetz, aber dafür bräuchte man mehr Zeit. Auf unserer Tour besichtigten wir das Nijo-Schloss, den Goldenen Pavillon, den Alten Kaiserpalast, den Heian Schrein, den Kiyomizu Tempel und Sanjusangendo.

Besonders eindrücklich am Nijo-Schloss war sein ausgeklügeltes "Alarmsystem". Durch die besondere Konstruktion des "schwebenden" Holzfussbodens, der um die Räumlichkeiten führt, produziert jeder Schritt ein quietschendes Geräusch. So wurden früher die Bewohner vor Eindringlingen gewarnt.

Der Goldene Pavillon ist das wohl eindrücklichste Bauwerk in Kyoto. Seine goldene Farbe spiegelt sich wunderschön im kleinen See, von dem er umgeben ist. Absolut sehenswert!

Um den Alten Kaiserpalast zu besichtigen, muss man eine geführte Tour unternehmen, da man sonst nicht eingelassen wird. Knallig orange-rote Gebäude prägen das Bild der weitläufigen Anlage.

Nachdem wir in Japan schon unzählige Schreine gesehen hatten, überraschte der Heian-Schrein vor allem mit seiner wunderschönen Gartenanlage mit unzähligen blühenden Bäumen. Wir wünschten uns mehr Zeit, um dort zu verweilen.

Sanjusangendo ist eine langegezogene Holzhalle, welche 1001 Statuen der Göttin Kannon aus dem 13. Jahrhundert beherbergt. Der Anblick der in Reih und Glied angeordneten Statuen wirkt imponierend.

Der Kiyomizu Tempel befindet sich auf einer Anhöhe mit schöner Aussicht auf Kyoto. Der Tempel erhielt seinen Namen vom Wasserfall innerhalb des Tempelkomplexes, der von den nahen Hügeln herunterkommt. Die heutigen Gebäude wurden 1633 erbaut. Auf dem Weg zum Tempel und wieder zurück schlendert man durch eine Gasse mit unzähligen Souvenirshops. Auch Japanische Süssigkeiten können hier probiert und gekauft werden.

Am folgenden Tag besuchten wir den Silbernen Pavillon als Ergänzung zum Goldenen Pavillon. Allein schon wegen der Gartenanlage dieses Zen-Tempels lohnt sich eine Besichtigung.

Nara

 

Die Haupthalle des Todaiji-Tempels gilt noch heute als die grösste Holzkonstruktion der Welt, obwohl sie 1708 nachgebaut wurde und ursprünglich ein Drittel grösser war. Im Inneren befindet sich die bronzene Statue des grossen Buddha, welche 452 t schwer und mit Sockel 30 m hoch ist.

Vor der Tempelanlage, im Stadtpark, trifft man auf frei herumlaufende und zahme Rehe und Hirsche, welche neugierig die Besucher begrüssen und nach Vorstellung der Japaner Götterboten sind. Man sollte allerdings aufpassen, dass einem die "Götterboten" nicht die Kleider anknabbern, wie sie das bei uns getan haben.

Gegen Abend besichtigten wir noch den Schrein Kasuga Taisha, zu dem ein Laternenweg mit 3000 Stein-und Bronzelampen führt. Diese werden nur zweimal jährlich angezündet, was wir leider nicht miterleben konnten.

Arashiyama

 

Etwas ausserhalb von Kyoto liegt das Städtchen Arashiyama, welches einen schönen Kontrast zum städtischen Japan vermittelt, denn es liegt in einer eher ländlichen Gegend. Wir spazierten durch schöne Wohnquartiere mit süssen Häuschen und liebevoll gepflegten Gärtchen und eindrückliche Bambuswälder. Arashiyama ist von Kyoto aus mit dem Zug erreichbar und man erkundet es am besten zu Fuss.